Hartes Training bei Lagerambiente
Nachwuchssport
Der Talent-Treff in Tenero hat sich zur festen Institution entwickelt
|
 |
| |
| |
|
|
Deborah Senn |
|
Yvonne Hunziker |
|
| |
|
|
Stein-Fricktal |
|
Kutu Windisch |
|
Über 500 Athletinnen und Athleten
aus 29 Sportarten oder 23 nationalen Verbänden weilten letzte Woche am
Talent-Treff in Tenero bei Locarno. Das Nachwuchscamp 3T, das den
Rahmen für Qualitätstraining in Lageratmosphäre bietet, ist aus der
Agenda nicht mehr wegzudenken.
SIMON STEINER, TENERO
Belebt und friedlich zugleich wirkt das nationale Sportzentrum
in Tenero an diesem heissen Nachmittag. Überall auf den weitläufigen
Anlagen am Ufer des Lago Maggiore herrscht gruppenweise Aktivität.
Hier machen sich die Curler bereit zu einem Ausflug auf Inline-Skates,
dort versuchen die Unihockeyanerinnen, ihr Geschick im Umgang mit
Schläger und Ball auch beim Golfspiel gewinnbringend einzusetzen.
Nebenan weihen Sportstudenten eine gemischte Gruppe in die Geheimnisse
des Baseballspiels ein, und auch auf den Tennisplätzen fliegen die
Bälle, wenn auch noch nicht ganz mit derselben Geschwindigkeit und
Präzision wie bei den Spezialisten.
In ihrer angestammten Sportart haben sie alle bereits am Morgen
trainiert und nutzen jetzt die Gelegenheit, zum Ausgleich und um auf
andere Gedanken zu kommen, etwas Ungewohntes auszuprobieren. Und
dadurch vielleicht einen neuen Blick auf die Leistungen anderer – oder
auch die eigenen – zu gewinnen. Den umgekehrten Tagesablauf hat das
Programm für die Rad-Strassenfahrer vorgesehen, die sich am Eingang
zum Areal zu einer Trainingsfahrt in eines der umliegenden Täler
bereitmachen.
Die Kunstturnerinnen sind in einer Halle mit Bodenturnen beschäftigt,
so auch Yvonne Hunziker aus Riniken und
Deborah Senn aus Sulz. Ihr
nächstes Ziel sind die Schweizer Meisterschaften vom übernächsten
Wochenende. Normalerweise üben sie im Trainingszentrum Niederlenz.
«Dort schlafen wir nicht im Zelt», bringen die beiden die Unterschiede
auf den Punkt.
Die Übernachtung in den Gruppenzelten des Centro Sportivo trägt ihren
Teil zum Gemeinschaftsfeeling bei, das im Lauf der Woche noch
gewachsen ist. Der Hexathlon, eine Art Super-Zehnkampf mit
diziplinenübergreifenden Teams, sowie zusätzliche Abendaktivitäten
sind weitere Faktoren, die der Gruppendynamik zugute kommen. Vor allem
dem teaminternen Zusammenhalt dient der Gigathlon, den einige der
Nachwuchskader absolvieren.
Neben sportartspezifischen Mentalitätsunterschieden widerspiegeln sich
in den unterschiedlichen Trainingsprogrammen auch Differenzen in der
Saisonplanung. Die Snowboarder etwa müssen ohne Schnee auskommen und
setzen ihre Schwerpunkte beim Wake-Surfen und Skaten. «Diese Woche war
die perfekte Verbindung von Training und Ferien», sagt Philipp Egloff
(Busslingen), der sonst das Sportgymnasium in Davos besucht und davon
träumt, dereinst vom Snowboarden leben zu können.
Das Junioren-Nationalteam der Orientierungsläufer hingegen steht kurz
vor den WM-Selektionsläufen und trainiert in Tenero mit ganz anderem
Fokus. «Anfang Woche haben wir den WM-Ablauf simuliert», sagt Regula
Müller aus Oberwil-Lieli, die nach einem Misstritt am Wochenende zuvor
allerdings auf Alternativtraining ausweichen muss und auf rasche
Besserung hofft. Auch die OL-Läufer profitieren aber von der
polysportiven Ambiance und sichern sich dank ihrem Sieg beim Hexathlon
eine Gratis-Trainingswoche in Tenero.
Nicht zum ersten Mal dabei ist Rollstuhlsportlerin Patricia Keller aus
Waltenschwil, die im Camp den Kontakt mit anderen Sportlerinnen und
Sportlern sehr schätzt. Wie im letzten Jahr möchte sie an der
bevorstehenden SM eine Medaille holen. Der Triathlet Ahmed Aijl (Oftringen),
der gerade im Schwimmbad an seiner bisher schwächsten Disziplin
arbeitet, schwärmt von «der idealen Anlage und dem coolen Programm».
Solche Reaktionen lassen auch den Direktor des Sportzentrums und
OK-Chef des Treffs, Bixio Caprara, eine positive Bilanz ziehen. «Wir
merken, dass unsere Dienstleistung geschätzt wird.» Dies lässt sich
sich auch daran ablesen, dass das Lager inzwischen zweimal im Jahr
durchgeführt werden kann. Ausbezahlt hat sich für Caprara, dass bei 3T
jetzt im Unterschied zu den Anfängen vor sechs Jahren nur noch solche
Nachwuchssportler dabei sind, die eine Talent-Card von Swiss Olympic
besitzen und damit zeigen, dass sie ehrgeizige Ziele verfolgen. So
besteht nicht die Gefahr, dass das Camp zum reinen Ferienlager wird:
«Wir setzen auf Trainingsqualität.»
|