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Aargauer Zeitung AZ  24.Mai 2007

      

         

Hartes Training bei Lagerambiente

Nachwuchssport Der Talent-Treff in Tenero hat sich zur festen Institution entwickelt

 

 
      Deborah Senn   Yvonne Hunziker  
      Stein-Fricktal   Kutu Windisch  

 

Über 500 Athletinnen und Athleten aus 29 Sportarten oder 23 nationalen Verbänden weilten letzte Woche am Talent-Treff in Tenero bei Locarno. Das Nachwuchscamp 3T, das den Rahmen für Qualitätstraining in Lageratmosphäre bietet, ist aus der Agenda nicht mehr wegzudenken.

SIMON STEINER, TENERO

Belebt und friedlich zugleich wirkt das nationale Sportzentrum in Tenero an diesem heissen Nachmittag. Überall auf den weitläufigen Anlagen am Ufer des Lago Maggiore herrscht gruppenweise Aktivität. Hier machen sich die Curler bereit zu einem Ausflug auf Inline-Skates, dort versuchen die Unihockeyanerinnen, ihr Geschick im Umgang mit Schläger und Ball auch beim Golfspiel gewinnbringend einzusetzen. Nebenan weihen Sportstudenten eine gemischte Gruppe in die Geheimnisse des Baseballspiels ein, und auch auf den Tennisplätzen fliegen die Bälle, wenn auch noch nicht ganz mit derselben Geschwindigkeit und Präzision wie bei den Spezialisten.

In ihrer angestammten Sportart haben sie alle bereits am Morgen trainiert und nutzen jetzt die Gelegenheit, zum Ausgleich und um auf andere Gedanken zu kommen, etwas Ungewohntes auszuprobieren. Und dadurch vielleicht einen neuen Blick auf die Leistungen anderer – oder auch die eigenen – zu gewinnen. Den umgekehrten Tagesablauf hat das Programm für die Rad-Strassenfahrer vorgesehen, die sich am Eingang zum Areal zu einer Trainingsfahrt in eines der umliegenden Täler bereitmachen.

Die Kunstturnerinnen sind in einer Halle mit Bodenturnen beschäftigt, so auch Yvonne Hunziker aus Riniken und Deborah Senn aus Sulz. Ihr nächstes Ziel sind die Schweizer Meisterschaften vom übernächsten Wochenende. Normalerweise üben sie im Trainingszentrum Niederlenz. «Dort schlafen wir nicht im Zelt», bringen die beiden die Unterschiede auf den Punkt.

Die Übernachtung in den Gruppenzelten des Centro Sportivo trägt ihren Teil zum Gemeinschaftsfeeling bei, das im Lauf der Woche noch gewachsen ist. Der Hexathlon, eine Art Super-Zehnkampf mit diziplinenübergreifenden Teams, sowie zusätzliche Abendaktivitäten sind weitere Faktoren, die der Gruppendynamik zugute kommen. Vor allem dem teaminternen Zusammenhalt dient der Gigathlon, den einige der Nachwuchskader absolvieren.

Neben sportartspezifischen Mentalitätsunterschieden widerspiegeln sich in den unterschiedlichen Trainingsprogrammen auch Differenzen in der Saisonplanung. Die Snowboarder etwa müssen ohne Schnee auskommen und setzen ihre Schwerpunkte beim Wake-Surfen und Skaten. «Diese Woche war die perfekte Verbindung von Training und Ferien», sagt Philipp Egloff (Busslingen), der sonst das Sportgymnasium in Davos besucht und davon träumt, dereinst vom Snowboarden leben zu können.

Das Junioren-Nationalteam der Orientierungsläufer hingegen steht kurz vor den WM-Selektionsläufen und trainiert in Tenero mit ganz anderem Fokus. «Anfang Woche haben wir den WM-Ablauf simuliert», sagt Regula Müller aus Oberwil-Lieli, die nach einem Misstritt am Wochenende zuvor allerdings auf Alternativtraining ausweichen muss und auf rasche Besserung hofft. Auch die OL-Läufer profitieren aber von der polysportiven Ambiance und sichern sich dank ihrem Sieg beim Hexathlon eine Gratis-Trainingswoche in Tenero.

Nicht zum ersten Mal dabei ist Rollstuhlsportlerin Patricia Keller aus Waltenschwil, die im Camp den Kontakt mit anderen Sportlerinnen und Sportlern sehr schätzt. Wie im letzten Jahr möchte sie an der bevorstehenden SM eine Medaille holen. Der Triathlet Ahmed Aijl (Oftringen), der gerade im Schwimmbad an seiner bisher schwächsten Disziplin arbeitet, schwärmt von «der idealen Anlage und dem coolen Programm».

Solche Reaktionen lassen auch den Direktor des Sportzentrums und OK-Chef des Treffs, Bixio Caprara, eine positive Bilanz ziehen. «Wir merken, dass unsere Dienstleistung geschätzt wird.» Dies lässt sich sich auch daran ablesen, dass das Lager inzwischen zweimal im Jahr durchgeführt werden kann. Ausbezahlt hat sich für Caprara, dass bei 3T jetzt im Unterschied zu den Anfängen vor sechs Jahren nur noch solche Nachwuchssportler dabei sind, die eine Talent-Card von Swiss Olympic besitzen und damit zeigen, dass sie ehrgeizige Ziele verfolgen. So besteht nicht die Gefahr, dass das Camp zum reinen Ferienlager wird: «Wir setzen auf Trainingsqualität.»

               
         
                                

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